Klingelton landet bei Follchlore (Gedicht Alex Lüthi)

Ein Ton sass hinterm Klingelknopf
und wollte raus. Er dachte: „Gopf,
wann kommt denn endlich wer vorbei
und drückt den Knopf, dann wär ich frei“?
Da in dem kleinen Kästchen drin
macht doch das Klingen keinen Sinn.

Viel Zeit verging und nichts geschah.
Doch plötzlich war Erlösung nah.
Ein Schlingel, der vom Knopf verzückt,
hat schalkhaft hurtig draufgedrückt.
Der Ton dahinter konnte raus
Und der Schlingel nahm Reissaus.

Aus einem sicheren Versteck
Erspähte dann der Junge keck
Ob sein Tun erfolggekrönt,
und jemand vor Ärger stöhnt.
Doch Stille wars, es ging nichts mehr.
Das Haus stand schon seit Wochen leer.

Der Klingelton der war jetzt frei.
Auf dass er nun zufrieden sei.
Jetzt hatte er viel Platz und Licht.
Behaglich wars ihm dennoch nicht.
Jetzt sass er in der Freiheit fest,
ward von der weiten Welt gestresst.

Anschluss finden, das könnt’s sein.
Am besten im Musikverein.
Da sind bestimmt der Töne viel
wohlklingend beim Zusammenspiel.
Schon bald mal war gesagt, getan.
Mit Freuden macht‘ er sich daran.
Doch da gings sehr laut zu und her
er hörte ja sich selbst nicht mehr
Und wieder, schon nach kurzer Zeit,
Machte sich Enttäuschung breit.
Der Ton konnt’ so nicht glücklich sein.
Da war er lieber doch allein.

Die G’schicht’ ist aber noch nicht z’ End;
Denn der Ton war sehr behend.
Nach kurzem Halt bei einer Bänd
flog ihm ein Briefchen in die Händ
wo drinnen stand: „Such nicht zu weit
Geh’ hin wo die Gemütlichkeit
den Tönen eine Heimat gibt
und die Musik im Volkston liebt.
Follchlore heisst das Zauberwort;
Ist vieler Töne Heimatort.
Da fühlt man es (wer hätts gedacht)
dass der Ton die Musik macht.“

Alexander Lüthi
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